07. Juni 2006
Aber wenn’s dicke kommt...
Es mag ja sein, daß sie mal dicke Freunde waren und diese
Freundschaft zu schlechter Letzt einfach zu weit ging, d.h. über
die Grenzen des Erlaubten hinaus. Jetzt aber, vor Gericht,
belastete Rainer Sehm, der, oft extra betont, das Vertrauen des
Oberbürgermeisters genossen hatte, Ingolf Roßberg mit einer sehr
freimütigen Aussage (siehe "Prozeßbeginn mit Geständnis") gleich am
ersten Verhandlungstag. Gab er dabei nur zu, was nicht zu leugnen
war? Sagte er sich: Geteilte Schuld ist halbe Schuld? Vielleicht
macht es sich einfach gut, den prominenteren Mitangeklagten zu
belasten? Und hofft er etwa so auf einen milderen Richterspruch?
Wie dem auch sei: Ingolf Roßberg und seinen Anwalt dürfte das
jedenfalls etwas überrascht haben. Sie werden erst morgen dazu
Stellung nehmen. Freundschaft, wenn es denn eine war und nicht eher
Kumpanei, die geht eben doch nicht durch dick und dünn. Wenn's ganz
dicke kommt, da ist sich jeder selbst der näheste. Vor Gericht sind
alle gleich. Nur spricht eben kaum jemand über Sehm, sondern halb
Deutschland über Roßberg - als den OB von Dresden. Hans-Georg
Prause