13. Juni 2006
Nie wieder Schulden! Dresdner Stadtrat beschließt finanzpolitische Selbstverpflichtung
Dresden. Während die Stadträte am vergangenen Donnerstag über die
schuldenfreie Zukunft Dresdens debattierten, saß ihr
Oberbürgermeister Ingolf Roßberg mit seinem Verteidiger Stefan
Heinemann zusammen, um an der 75-minütigen Erklärung vor dem
Landgericht zu stricken. Das amtierende Stadtoberhaupt Lutz Vogel
hatte es da als Versammlungsführer leichter. Die erste
Entscheidung, eine Selbstverpflichtung der Stadt, mit der
Entschuldung durch den Verkauf der bis dahin kommunalen Woba nie
mehr in der Haushaltsbilanz rote Zahlen zuschreiben, wurde mit 78
Prozent Ja-Stimmen zu Protokoll gegeben. Während Christine
Ostrowski (Die Linke.PDS) den Beschluß gegen die Neuverschuldung
sogar als "Grundgesetz des Dresdner Stadtrates" festgeschrieben
haben wollte, kritisierte Torsten Hans (Grüne) diese
Selbstverpflichtung, da sie für Eigenbetriebe und städtische
Gesellschaften nicht gelte. Aber gerade die Eingemeindung des
Schönfelder Hochlandes hätte gezeigt, wie schnell Schulden
auflaufen können. Als "betriebswirtschaftlichen Unsinn" bezeichnete
Sabine Friedel (SPD) den Antrag. Die FDP zog ihren Antrag, das
Quorum für ein Bürgerbegehren von 60 000 auf 20 000 Stimmen zu
senken, zurück. Fraktionsvorsitzender Jan Mücke erklärte, daß dies
lediglich ein taktischer Antrag aus dem vergangenen Jahr bezüglich
der Waldschlößchenbrücke gewesen sei. Die Grünen und die SPD wollen
jetzt unverzüglich einen neuen Antrag einbringen, um den
Bürgerentscheid doch noch auf fünf Prozent Befürworterstimmen zu
bringen. Ihnen geht es vor allem um eine Neuauflage der Befragung
zur Waldschlößchenbrücke aufgrund der neuen Sachlage mit dem
Unesco-Welterbe. Klaus Rentsch von der CDU äußerte seine
Befürchtung, daß ein niedriges Quorum z.B. vom Nationalen Bündnis
mißbraucht werden könne. Die Gestaltungssatzung Neumarkt wurde
vorerst zur Neuverhandlung in die Ausschüsse verwiesen. Bei einem
weiteren Tagesordnungspunkt bemängelte die CDU, wohl völlig zu
Recht, die überzogenen Ordnungsstrafen von bis zu 500 000 Euro,
wenn ein Gastwirt seine Freiplätze mit zu großen Sonnenschirmen
beschattet oder wenn die Werbetafel eines Geschäftsmanns zu grell
sei. CDU und Grüne verlangen von der Stadtverwaltung ein
Beleuchtungskonzept für die historische Stadtsilhouette, und der
interfraktionelle Antrag von SPD, Grünen und Bürgerfraktion, den
Musikfestspielen im nächsten Jahr zusätzlich 50 000 Euro für die
Reihe "Dresden singt und musiziert" zu gewähren, wurde abgelehnt,
wenn auch mit einem äußerst knappen Ergebnis. her