01. November 2006
Volldampf? - Im Kriechgang aus der Krise
Dresden. Seit vier Wochen läuft Dynamo einem
Sieg in der Liga hinterher. Aus dem Platz an der Sonne ist ein
mickriger Mittelfeldrang geworden. Wenn die Schwarzgelben ihre
Ziele erreichen wollen, müssen sie endlich eine Gang höher
schalten. Aber von den zuletzt fest eingeplanten drei Zählern bei
den Hertha-Amateuren blieb leider nur ein mageres Pünktchen. Drei
Minuten fehlten zum nicht unverdienten 1:0-Sieg. Doch der
Ausgleich kurz vor ultimo sorgte für Frust in den schwarzgelben
Reihen. Dennoch war der Coach nicht unzufrieden. "Auf jeden Fall
war's eine Steigerung gegenüber der Klatsche gegen Bremen. Mit
etwas mehr Selbstbewusstsein hätten wir unsere Konterchancen
besser nutzen können. Damit und vor allem mit den konditionellen
Defiziten werden wir wohl noch viel Arbeit haben." Mit einem
deutlichen Sieg im Sachsenpokal gegen Sachsen Leipzigs "Zweite"
sollte wenigstens etwas fürs Selbstbewusstsein getan werden. Mit
einem knappen 1:0 (Tor: Ernemann) schrammte Dynamo beim
Landesligisten knapp vorbei - zu wenig, um sich für die
bevorstehende Auseinandersetzung mit dem Spitzenreiter Union
Berlin am Samstag, 14 Uhr, im Harbig-Stadion eine breite Brust zu
holen. Ein Lichtblick im Vorfeld ist die Verpflichtung von
Sebastian Pelzer. Der Linksverteidiger machte im Training und in
Leipzig eine guten Eindruck, bringt der Abwehr Sicherheit.
Randalierende Dynamo-"Fans" bestrafen eigenen
Verein
Als ob die sportliche Situation bei den Dynamos nicht schon
schlimm genug ist, nun stellen sogenannte "Fans" ihrem Verein
beim Kampf um den Aufstieg ein Bein. Am Rande des
Regionalligaspiels in Berlin kam es wieder mal zur Randale.
Bekloppte Hooligans zündeten Leuchtraketen, rissen Sitzschalen
aus ihrer Verankerung, schmissen diese durch die Gegend und
lieferten sich mit Ordnern und Polizei eine Massenkeilerei. Die
erschütternde Bilanz: 38 Verletzte, davon 23 Polizisten, 22
Festnahmen und ein noch nicht abzusehender Sachschaden. Dumm und
überflüssig, dass die Vorkommnisse mit gegenseitigen
Schuldzuweisungen von Seiten des Vereins und der Polizei
fortgesetzt wurden. Dynamos Geschäftsführung warf den
Ordnungshütern "übertriebene und brutale Vorgehensweise gegen
Unbeteiligte, auch Frauen und Kinder". Die Polizei wiederum wirft
dem Dynamo-Vorstand "Ignoranz und Arroganz" bei der Bewertung des
Polizeieinsatzen vor. So würden Hooligans gefördert, nicht
bekämpft. "Nun reicht's aber!", meinte der DFB am Dienstag beim
Krisengipfel und reagierte auf die Vorkommnisse mit Gewalt,
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die in den letzten Wochen
quer durch die Ligen im Land überhand genommen hatten.
Kurzfristige Maßnahmen und eine schnell zu gründende Task Force
sollen dem Unwesen Einhalt gebieten. Unabdinglich dafür sei ein
effektives Kommunikations- und Informationssystem sowie die
Einstellung eines hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten, betonte
DFB-Chef Theo Zwanziger und drohte den Vereinen gleich
schmerzliche Kosequenzen an. Es sei wichtig, dass für die
Regionalligen schärfere Auflagen für die Sicherheit im Stadion
eingeführt werden. Ständig negativ auffallende Vereine, leider
auch Der 1. FC Dynamo Dresden, sollten unter verschärfter
Beobachtung. "In Dresden muss sich etwas ändern", meint
Zwanziger. "Der bisherige Dresdner Weg bei der Gewaltbekämpfung
ist nicht gangbar." Bislang musste Dynamo nach Ausschreitungen
der eigenen "Fans" deftige Geldstrafen zahlen, durfte einmal ohne
Stehplatz-Zuschauer spielen. Doch nun droht der DFB-Boss auch mit
Punktabzug. "Wir vergeben im deutschen Fußball keine Punkte, die
unter Gewaltanwendung zustande gekommen sind!" Deutlicher geht?s
wohl kaum.
Ekki
Foto: Durch Kommunikation aus der Krise? Nicht nur auf dem Rasenplatz hatten die Dynamos zuletzt ausgiebig Bedarf zur Aussprache. Ohne Trainer und Vereinsführung setzten sich die Kicker vorm letzten Punktspiel an einen Tisch und sprachen Klartext. Hoffentlich hilft's!
Foto: Männel
