13. Juni 2006
Hat denn der OB gelogen?
Dresden. Am Montag ging vor dem Landgericht Dresden der
Untreue-Prozeß gegen Dresdens OB Roßberg und den
Ex-Flutgelderkoordinator Sehm in die zweite Runde. Nachdem Richter
Hans Schlüter-Staas zunächst den Angeklagten Roßberg weiterhin
intensiv befragt hatte, begann am Nachmittag die Zeugenvernehmung.
Vorerst sind 23 Zeugen geladen. Es könnten aber auf Antrag des
Verteidigers oder des Staatsanwaltes mehr werden. Das Gericht steht
vor der schwierigen Frage, wer von den beiden Angeklagten die
Wahrheit sagt und wer seinen Kopf (zuungunsten des anderen?) aus
der Schlinge ziehen will. Sehm hatte bekanntlich gleich zum
Prozeßauftakt ein Geständnis - mit seiner Version - vorgetragen.
Darin belastete er seinen früheren Freund Roßberg. Der OB versuchte
am zweiten Verhandlungstag am Freitag einen Befreiungsschlag und
stellte in einer 75-minütigen Erklärung seine Sicht der Dinge und
seine Unschuld dar. Bei der Befragung durch den Richter verstrickte
sich Roßberg jedoch in Widersprüche, die Schlüter-Staas u.a. zu der
Bemerkung veranlaßte: "Herr Roßberg, Sie erzählen dummes Zeug." Das
"dumme Zeug" nahm er zwar sofort zurück, aber er blieb bei der
Feststellung, der Angeklagte hätte gelogen. Dazu zitierte er z.B.
dessen frühere Aussagen vor dem Staatsanwalt. Damals hatte Roßberg
behauptet, er hätte sich in Fragen des Honorars für Sehm (von 2600
auf 9300 Euro angehoben) mit dem Regierungspräsidium abgestimmt.
Das Gericht kennt nun drei Varianten des Vertrages, den eigentlich
keiner abgeschlossen haben will. Roßberg sagt, nicht an der
Ausarbeitung mitgewirkt und ihn unterschrieben zu haben, weil ihm
Sehm glaubwürdig versichert hätte, alles sei mit dem RP abgestimmt.
Sehm dagegen behauptet, nicht in die Vertragsausarbeitung
einbezogen gewesen zu sein; Roßberg hätte ihm alles vorgegeben. Und
dann gibt es noch Simone Heine, die Chefin der "Scheinfirma" Actor
Consulting, über diese Zahlungen liefen. Ihre Version: Roßberg und
Sehm seien gemeinsam an sie herangetreten, es so zu machen. Da
Roßberg inzwischen auch belastende Vorwürfe in Richtung
Staatskanzlei gesendet hat, könnte der Prozeß noch größere
Dimensionen bekommen. her