21. November 2006
Haushalt ohne Defizite
Dresden. Nach dem nicht unumstrittenen Verkauf der
WOBA DRESDEN GMBH im Frühjahr 2006 für Netto 982 Millionen Euro
sind die Kapitalmarktschulden der Stadt von 748 Millionen Euro an
die Banken zurückgegeben worden. Hatte die Stadt Dresden vor dem
WOBA-Verkauf noch rechnerisch jeden Tag ein Einfamilienhaus bzw.
ca. 200 000 Euro in Form des Schuldendienstes zur Bank tragen
müssen, kann sie diesen nun vollständig einsparen. Netto, also
unter Gegenrechnung der früher an die Stadt ausgeschütteten
WOBA-Gewinne, hat Dresden künftig eine jährliche Einsparung von
rund 60 Millionen Euro. Ohne den WOBA-Verkauf und die Entschuldung
würde die Stadt nach wie vor unter der strengen behördlichen
Aufsicht des Regierungspräsidiums stehen. "Damit hat es Dresden aus
eigener politischer Kraft geschafft, die kommunale Selbstverwaltung
und damit die politische Souveränität für unsere Bürgerschaft
zurückzugewinnen. Diese zurückgewonnene Souveränität gilt es auch
in Zukunft zu erhalten", sagt Finanzbürgermeister Hartmut
Vorjohann. Und er blickt voraus: "Durch den großen Sanierungsstau
in Schulen, Kindertagesstätten, Kultureinrichtungen und Straßen,
sowie des ab 2009 einsetzenden Rückgangs von Solidarpaktmitteln und
Ostförderung, wird Dresden haushaltspolitisch in den nächsten
Jahren weiter vor großen Herausforderungen stehen."
Standortpolitisch werden die Stadt und die Region Dresden durch die
Schuldenfreiheit und die sich daraus ergebenden Handlungsspielräume
einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil gewinnen, davon geht man in
der Stadtverwaltung aus. "Für die hier ansässigen und zukünftig
sich noch ansiedelnden Bürger und Unternehmen kann die Stadt
Dresden noch attraktiver gestaltet werden, ohne die nächste
Generation mit unseren Schulden zu belasten." Davon ist man im
Rathaus überzeugt. Die weitere Rechnung der Stadtverwaltung liest
sich so: Die erzielten Überschüsse aus dem WOBA-Verkauf werden zur
Kreditsubstitution, d. h. zur Verhinderung der Neuaufnahme von
Krediten, in den Jahren 2006 bis 2008 eingesetzt. Ein Restbetrag
von 35 Millionen Euro an Verbindlichkeiten bleibt aus
wirtschaftlichen Gründen zunächst noch stehen. Es handelt sich um
zinssubventionierte Förderkredite, die erst im nächsten Jahr
zurückgezahlt werden.