21. November 2006
Vom Fresswürfel zum Legokubus
Dresden. Die Neugestaltung des Postplatzes nimmt eine weitere neue Form an. Der "Freßwürfel" wird im März 2007 weggerissen und ein "Wilsdruffer Kubus" kommt an dessen Stelle. Die TLG Immobilien errichtet dort - wie in einem Teil unserer Ausgabe bereits berichtet - bis zum Sommer 2008 einen Bau mit 6000 Quadratmetern Fläche und hat mit SAP Systems Integration AG schon einen Hauptmieter. Ist diese Nachricht nun gut oder schlecht? Auf alle Fälle setzt die TLG ein Signal, daß der Schandfleck an der Ecke zur Wilsdruffer Straße wegkommt und Mieter Interesse an den dortigen Immobilien zeigen. Ob aber der Neubau besser ist und den Ansprüchen an diesen sensiblen Platz, der Schnittstelle zwischen historischer Altstadt und dem neuen Stadtzentrum, entspricht, bleibt offen. Die Gaststätte "Am Zwinger", am 30. April 1967 eröffnet, war mit 1416 Plätzen in sieben verschiedenen Gaststätten das größte gastronomische Objekt der DDR. Architektonisch entsprach der Bau mit den zurückgesetzt-en Stützen und Wandflächen im Erdgeschoß, der Stahl-Aluminium-Glas-Konstruktion mit Brüstungsflächen aus rotem Glas und der oberen umlaufenden Terrasse mit Pergola dem innovativen Teil der 60er-Jahre-Bauten. Aus betriebswirtschaftlichen, brandschutztechnischen und anderen Gründen war die Gastronomie nach der Wende so nicht mehr zu betreiben und der "Freßwürfel", mittlerweile auch zu einem Drittel abgerissen, verfiel immer mehr. So gesehen ist der Abriß eigentlich ein Grund zur Freude. Wenn da nicht der preisgekrönte Entwurf eines Leipziger Architekturbüros wäre, der ein Fragezeichen setzt, ob der Neubau, der wie aus Legosteinen gesetzt wirkt, das Nonplusultra sein soll. Ohne der DDR-Baukultur hinterherzutrauern - einen Steinwurf von Dresdens wertvollster architektonischer Kostbarkeit, dem Zwinger, entfernt, soll ein Gebäude entstehen, das beliebiger und austauschbarer kaum sein kann. Der heute 75-jährige Günter Gruner, Architekt des einstigen Gaststättenbaus, meinte, daß es ihm sehr weh tue, wenn der Bau jetzt ganz fallen soll. Denn in der Tat scheinen die Architekten für diesen Neubau einen Lego-Baukasten benutzt zu haben.
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Foto: Dieser Entwurf wird den "Freßwürfel" am Postplatz ersetzen.
