06. Dezember 2006
"Betteln" für eine neue Operette
Dresden. Die Geschichte des "Bettelstudenten", der zur Zeit von August des Starken in der polnischen Stadt Krakau erfolgreich war mit seiner Liebe zur schönen Comtesse Laura Nowalska, die vorher einem sächsischen Oberst einen Korb und eine Ohrfeige verpasst hatte, obwohl dieser singend behauptete, sie ja nur auf die Schulter geküsst zu haben, dürfte allseits bekannt sein. Michael Quast hat sie jetzt auf der Bühne der Staatsoperette inszeniert (nächste Aufführungen: 9. und 10.12.) und erfreute ein wohlwollendes Premierenpublikum. Am meisten Applaus gab es für die musikalische Leistung des Ensembles und des Orchesters mit Christian Garbosnik am Pult. Millöckers "Ohrwürmer" kamen gekonnt über die Bühne, auch wenn Jessica Glatte als Laura merklich mit grippebedingter Heiserkeit zu kämpfen hatte. Das Publikum konnte sich gut amüsieren und viel lachen. Dazu trug vor allem Rainer König bei. Wir kennen ihn als Pantomimen sonst nur stumm, doch seine eigentliche Nebenrolle als Gefängniswärter "Enterich" trug er stückbegleitend über die gesamte Operette. Dabei zeigte er auch sängerisches Talent und bezog aktuelle Landes- und Lokalpolitik in sein Spiel ein. Leider wirkte manches zu sehr aufgetragen. Auch die eigentliche Handlung wurde dadurch ausgebremst. Die Komödie beweist auch mit dieser Inszenierung und den beifälligen Reaktionen der Besucher, dass sie zu Dresden gehört wie die Elbe. Wenn doch nur auch in der Kommunalpolitik alles so leicht aufzulösen wäre, wie in der Operette. Dann hätten wir den Neubau schon längst am Wiener Platz.
Ursula
Foto: Garten
