13. Dezember 2006
Neue Sicht auf Altbekanntes
Dresden. Als die Kunde von einer Umgestaltung im Museum für Sächsische Volkskunst im Jägerhof die Runde machte, waren zugleich auch kritische Stimmen zu vernehmen, regten sich Zweifel. Die dürften mit der Eröffnung der neuen Sammlungsschau Anfang Dezember ausgeräumt sein. Nichts von alledem, was über Jahrzehnte den großen und kleinen Besuchern ans Herz wuchs, ist verschwunden. Zugegebenermaßen hatten jedoch die Exponate gleichsam Patina angesetzt, Staub hatte sich darauf gelegt. Auch die Präsentation war in die Jahre gekommen. Der Besucherandrang zu Ostern und Weihnachten war groß, blieb jedoch übers Jahr relativ bescheiden. Natürlich ist das jetzt weihnachtlich herausgeputzte Haus ein Besuchermagnet. Zwei Dutzend geschmackvoll verzierte Nordmanntannen verströmen ihren Duft. Niemand muss hier auf Gewohntes verzichten. Im Gegenteil, man bestaunt die vielen neuen Ideen in Sachen Baumbehang. Zudem wird wieder geschnitzt, geklöppelt, gebastelt und an den Adventswochenenden auch erzählt und gesungen wie in jedem Jahr. Gänzlich neu präsentiert sich das 1. Obergeschoss, wobei die Intentionen von Museumsdirektor Igor A. Jenzen gemein-sam mit Kustos Bernd Herrde und der Gestalterin Heidemarie Hagen nach dem Motto "es muß alles ganz anders werden, aber es muss alles so bleiben wie bisher" ideenreich umgesetzt wurden. Mitten im Raum stehen sehr große, dezent beleuchtete Vitrinen, worin zum einen die reich verzierten sorbischen Festtagstrachten zu bewundern sind, zum anderen eine komplette (lange Jahre nur im Depot bewahrte) Dresdner Vogelwiese aufgebaut ist, deren Karussells zur Freude der Kinder per Knopfdruck zum Laufen gebracht werden können. Verglaste Schränke an den Fensterseiten haben eine große Puppenschar aufgenommen, andere präsentieren die typischen Vertreter der sächsischen Volkskunst, wie sie sich parallel zum das Erzgebirge dominierenden Bergbau entwickelt haben, also all die Lichterengel, Berg- und Räuchermänner und selbstverständlich die Pyramiden und mechanischen Weihnachtsberge - nach wie vor erscheint auch der altvertraute Berggeist - und über allem schweben die attraktiven Leuchterspinnen. Auf dass es nicht beim bloßen Schauen bleibt, gibt es zahlreiche Schubladen, die Spielzeug, Textiles und anderes Untersuchungsmaterial zum Anfassen speziell für kleine Besucher bereit halten. Kostbare Belege aus der Textilsammlung sind ebenfalls in ausziehbaren Laden ausgelegt. Zahlreiche Monitore, neben denen man bequem auf langen Bänken Platz nehmen kann, bieten für Erwachsene weitere Möglichkeiten zur Vertiefung des Geschauten. Wirkungsvoll wird das gesamte Ambiente in grün und rosa gehaltenen Pastellfarben erhellt. Kurzum: viel Altbekanntes zeigt sich in neuem Licht und lässt sich neu bestaunen und entdecken! Für Sonderausstellungen im Volkskunstmuseum wird noch ein Raum geschaffen, da das 2. Obergeschoss ganz der Puppentheatersammlung vorbehalten bleibt. Das Erdgeschoss wird künftig Modelle aufnehmen, die Einblick in verschiedene kunsthandwerkliche Gewerke geben sollen.
B.W.
