27. Februar 2007
Historisches Panorama im Reicker Gasspeicher: Von Mühlen und Marstall
Bis 1840 kannte man die Kleine Packhofstraße unter dem Namen "Am Ostraer Wiesenschlag". Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts führte diese Verbindung als Mühlengasse nach der 1606 gebauten Schmelzmühle, die sich an der später entstandenen Devrientstraße 13 befand. Ein weiteres bekanntes Grundstück am Mühlgraben war die 1773 gebaute Nudelmühle. Sein Besitzer, der italienische Schauspieler Antoni Bertoldi, verkaufte dort nach seinem Bühnenabschied die selbst hergestellten Teigwaren und Getränke. Nach dem Abbruch der baufälligen Gebäude im Jahr 1913 nannte man den Neubau einer Gaststätte wiederum "Nudelmühle". Nur durch den Mühlgraben getrennt folgte die recht einfach ausgestattete Marmor-Schleifmühle. Die beim Bau der Hofkirche verwendeten Marmorblöcke erhielten dort den sprichwörtlich "letzten Schliff". Bis zur einstigen "Marstallstraße" am Zwingerteich standen noch die Gebäude des Gartenvereins "Flora", der für Dresden die ersten Gartenbau-Ausstellungen veranstaltete. Der Verein verkaufte das Grundstück 1889 an die Deutsche Straßenbahngesellschaft, die an gleicher Stelle einen Pferdebahnhof einrichtete. Auf dem Panorama beeindruckt der ehemalige Marstall hinter dem Zwingergraben. Seine freie Lage und die gleichmäßig angeordneten Flügelbauten lassen das 1745/48 entstandene Bauwerk besonders wirksam erscheinen. Die auf der Ansicht noch fehlende Reithalle ergänzt den Komplex erst seit 1794/95. Der Marstall diente zur Unterbringung des königlichen Pferdebestandes, der vorher im Stallhof des Schlosses untergebracht war und wegen dem Umbau zum Johanneum ausweichen musste. Bis 1747 nannte man deshalb die Straße am Marstall "Nach den neuen Ställen". 1830 die Umbenennung in Stallstraße und seit 1921 "Am Zwingerteich". Zu DDR-Zeiten war in dem Gelände die Möbelabteilung des VEB Deutsche Spedition, später Kraftverkehrskombinat, untergebracht. Neben der Toreinfahrt der Straße Am Zwingerteich befand sich eine kleine Gaststätte mit dem Namen "Flora", die vor allem von den Kraftfahrern nach Feierabend besucht wurde. Vergeblich bleiben die Bemühungen, auf dem Panorama die jetzige Devrientstraße zu erkennen. Diese Straße ist erst mit den ersten Speichergebäuden entstanden. Im Jahr 1898 erhielt die Straße zu Ehren des Schauspielers Emil Devrient (1803-1872) seinen Namen. Im neuen Gebäude der Commerzbank an der Devrientstraße ist in der Nr. 5 der "Sächsische Bote" zu finden, seit kurzem mit einem noblen Gegenüber, dem Maritim-Hotel.
Rudi Warnatsch
PS: Viele Leser fragten an, ob wir die detaillierten Erläuterungen zum Panorama fortsetzen wollen. Wir wollen! Demnächst in dieser Zeitung...
