20. Januar 2009
Dresdner Jahresrückblick (2): Stadtfest-Jubiläum, tolle Filmnächte und Chip-Krise
Am 5./6. Juli tagte im kanadischen Quebec das Unesco-Welterbekomitee und gab Dresden noch ein Jahr an "Galgenfrist", um den Welterbe-Titel zu behalten, wenn denn die Arbeiten an der Waldschlösschenbrücke gestoppt werden, alles zurückgebaut und eine Tunnelplanung gestartet wird.
Zur gleichen Zeit wurde das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf in die Helmholtz-Gemeinschaft, in die erste Liga deutscher Foschungsvereinigungen übernommen.
Ende Juli kamen knapp 700 "Fleischlose" aus 30 Ländern zum Welt-Vegetarier-Kongress in unserer Stadt.
Drei wahre Diven der Bühnen – Montserrat Caballé, Milva und Angelika Milster – gaben am 2. August mit dem Filmorchester Babelsberg auf dem Theaterplatz ein einmaliges Konzert.
Ein 79-jähriger Dresdner klagte vor Gericht gegen die OB-Wahl, weshalb Helma Orosz sich zunächst nur "Amtsverweserin" nennen durfte, und das 10. Dresdner Stadtfest hatte mit 300 000 Besuchern weniger als bisher.
Da konnten die Filmnächte am Elbufer beim Finale Anfang September ganz anders jubeln. Mit 170 000 Besuchern wurden viele Tausende mehr als in den Vorjahren gezählt.
Dann machte Uwe Tellkamp den Weißen Hirsch berühmt. Sein Buch "Der Turm" beschreibt diesen Dresdner Stadtteil mit seinen Bürgern zwischen 1982 und 1989. Der Autor wurde am 13. September mit dem Uwe-Johnson-Kritikerpreis geehrt und bekam einige Wochen später den Deutschen Buchpreis.
Die Staatskapelle feierte am 22. September in der Semperoper ihr 460-jähriges Bestehen.
Schreckensmeldungen um kriselnde Finanzen erreichen auch Dresden. Während arabischen Investoren aus Abu Dhabi noch einige Milliarden bei AMD anlegen, meldet die Infineon-Tochter Qimonda am 13. Oktober riesige Verluste und will fast ein Drittel der 3000 Mitarbeiter entlassen.
Eine besondere Ehrung gab es auch noch. Am 18. Oktober wurde der historische Wiederaufbau des Neumarktes als "Beste Rekonstruktion eines historischen Zentrums der letzten 25 Jahre" ausgezeichnet.
Der Presseclub Dresden vergab am 2. November seinen mit 10 000 Euro dotierten Erich-Kästner-Preis an den südafrikanischen Pfarrer Stefan Hippler, der sich mit der Hilfsorganisation "Hope" unermüdlich für Aidskranke einsetzt.
Auf der Prager Straße wurde durch den Stadtmöblierer Ströer die weltweit erste High-Tech-Toilette eingeweiht, die auf drei Designerpreise und sechs Patente verweisen kann.
Der Striezelmarkt wurde im Dezember wieder auf dem Altmarkt durchgeführt. Die Straßenbahn der Linie 7 fährt bis Pennrich, und der Stadtrat beschließt die Liquidation der Dresden-Werbung und Tourismus GmbH bei gleichzeitiger Neugründung einer Dresden Marketing Gesellschaft mit ausschließlicher Konzentration auf das Stadtmarketing. Trotz düsterer Prognosen für das neue Jahr feiern die Dresdner kräftig Silvester. Allein 30 000 Partygäste kamen zum Theaterplatz.
Renate und Heinz Ruhnau
Foto (Ruhnau): Der "lebende Fürstenzug" war einer der Höhepunkte des 10. Dresdner Stadtfestes
