24. Februar 2009
Auferstehung im Hinterhof: 10 Jahre Societaetstheater in Dresden
Zeit der Jubiläen. Dank der Wende im Herbst 1989 wird man demnächst bei vielen Gelegenheit stolz auf eine umkränzte "20" verweisen. Doch es gibt gerade in der Kultur auch "Spätfolgen", denn hier dauerte es oft länger, bis sich neue Formen und Strukturen etablieren konnten – oder alte bürgerliche Traditionen aufgegriffen wurden.
Eine davon war das Societatstheater in der Inneren Neustadt. Das 1776 gegründete Unternehmen war fast vergessen, aber das Haus stand noch und dank eines regen Freundeskreises nahm die Idee Gestalt an, hier eine Heimstatt für freie Künstler und Gruppen zu schaffen und den überregionalen und internationalen Austausch der kleineren Form in Theater, Tanz und Musik zu pflegen.
So utopisch das auch erschien, bereits Mitte der 90er Jahre wurde neben dem verfallenen Gebäude im Hof hinter dem Kügelgenhaus eine Baugrube ausgehoben. Ein Anbau entstand mit Kellerbühne, Gaststätte und Unterkünften, im barocken Hauptgebäude wurden das Foyer und der Theatersaal eingerichtet, für Büroräume fand sich auch Platz.
Vor ziemlich genau zehn Jahren wurde der staunenden Öffentlichkeit ein Theater präsentiert, das es seit 1832 nicht mehr als solches gegeben hatte. Nur mit Hilfe der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank war es möglich, ein derartiges Vorhaben ausgerechnet in einer Zeit zu verwirklichen, als die meisten Kultureinrichtung unter den immer neuen Sparvorgaben stöhnten.
Mit einer gelungene Eröffnung und der finanzielle Basis war es jedoch noch nicht getan. "Societaetstheater", das ließ eher an Kammeropern von Händel denken oder Stücke von Moliere, wohl kaum an eine experimentierfreudige freie Szene. Wie sich herausstellte, hatten sich im großen Saal mit seinen 130 Plätzen Architekten und Denkmalpfleger verwirklicht – und den Praktikern eine schwer bespielbare Bühne beschert. Und trotz der eigentlich zentralen Lage erfand man mangels Möglichkeiten zur Sichtwerbung den Slogan "verstecktestes Theaters der Stadt".
Bis 2008 kamen 165 000 Besucher zu über 3000 Aufführungen, wie die künstlerische Leiterin Brit Magdon bilanziert. Da ist tatsächlich noch Luft – vor allem mit besser besuchten Vorstellungen im großen Saal.
Das Societaetsheater garantiert den freien Künstlern ihre Gage, muss dabei aber auf die Einnahmen schauen. Andreas Nattermann, seit 2006 Geschäftsführer, bemüht sich u.a. um technische Verbesserungen, weiß aber, dass das Haus als solches noch keine Besucher anzieht. Er muss auf attraktive Stücke setzen und auf zugkräftige Namen, nicht nur die bewährten wie z.B. das statt-theater FASSUNGSLOS oder Dieter Beckert & Vergissmeinnicht.
Und so steuern nun die erst im Vorjahr gegründeten DRAMATEN mit ihrer musikalischen Kafka-Bearbeitung "Der Prozess" eine der drei Jubiläumspremieren bei. Neben dem Bewährten das gesunde Risiko neuen Beginnens – in diesem Sinn darf man im Jubiläumsjahr des Societaetsheaters noch einige Überraschungen erwarten.
Tomas Petzold
