09. März 2010
An dem Antrag ist kein Härchen zu finden
Der Frost verlässt den Boden, die ersten Schneeglöckchen blühen und der Frühling liegt in der Luft. Grund für mich, vergangenen Samstag wieder einmal beim "Brückenpicknick" im Biergarten des Brauhauses vorbeizuschauen.
Es war bereits das 26. Treffen von Bürgern, die Interesse am Bauverlauf haben, und dieses Picknick wird von der Initiative "Bürgerwillen zur Brücke umsetzen" organisiert. Ich konnte unter anderem sehen, dass auch im eisigen Winter weiter gebaut wurde. Und zwar am Tunnel unter der Waldschlösschenstraße, der künftig die Zu- und Ausfahrt von der Brücke zur Stauffenbergallee realisieren soll. Rund 130 der insgesamt 330 Meter sind inzwischen fertig. Im Oktober soll der Rohbau übergeben werden, und man ist ganz im Plan. Auch die Straßenbauarbeiten am "Bautzner Ei" sind wieder aufgenommen.
Auf dem Altstädter Stahlbau-Vormontageplatz setzen sich die Schweißarbeiten und die Maßnahmen zum Korrosionsschutz fort, um das Stromfeld der Brücke zu komplettieren. Wenn sie dann jedoch auf den Fluss geschoben werden soll, müssen sich erst noch Sorgenfalten auf den Gesichter der Planer glätten. Für eine kleinere naturschutzrelevante Fläche, die zeitweise für den Brückenschub in Anspruch genommen werden muss, besteht nämlich noch kein Baurecht.
Die Stadt wollte die Antragsunterlagen für ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren erstellen und diese im Februar einreichen. Jetzt wurde der Termin auf März gelegt. Die Brückengegner sind natürlich sofort wieder mit heftiger Kritik am Sprachrohr. Ich denke aber, bei diesem äußerst sensiblen Vorgang, an dem Antrag darf sich kein kleines Stäubchen finden lassen, ist ein nochmaliges Überprüfen und vier Wochen mehr Zeit nur gut. Die mündliche Verhandlung des Berufungsverfahrens zur Planfeststellung beim Oberverwaltungsgericht verschiebt sich nämlich auf unbestimmte Zeit, weil die Richter Rücksicht auf die neue Situation nehmen und auch abwarten, was aus dem Antrag wird.
Die Grüne Liga hat klipp und klar erklärt, dass sie weiterhin darstellen wird, dass ein Tunnel unter der Elbe eine umweltverträgliche und kostenneutrale Alternative zur Brücke darstellt und dass der Planfeststellungsbeschluss rechtswidrig ist.
Im Klartext soll das heißen: Baustopp und Rückbau der Brücke! Ich glaube, die Auswirkungen können sich auch die aktivsten Brückengegner kaum ausmalen. Beim Brückenpicknick ging der flehende Ruf an die Planer, so gründlich zu arbeiten, dass auch nicht die geringste Umweltsünde an diesem Antrag auszusetzen ist.
Übrigens habe ich in meinen Aufzeichnungen nachgelesen: der frühere Baubürgermeister Herbert Feßenmayr hatte im Juli 2007 erklärt, die Verkehrsfreigabe für die Elbquerung sei Ende März 2010 vorgesehen. Der für 2006 geplante Baubeginn wurde allerdings von den Brückengegnern bis November 2007 verzögert. Das sagt auch alles, wer schuld an den jetzt genannten Mehrkosten hat.


