04. Mai 2010
Staatsschauspiel: Das Unbekannte im Bekannten
Mit insgesamt 24 neuen Inszenierungen und dem „Turm“ von Uwe Tellkamp als vielleicht bedeutsamster unter neun Uraufführungen plant Intendant Wilfried Schulz für seine zweite Spielzeit am Staatsschauspiel Dresden. Wolfgang Engel inszeniert die Bühnenfassung des Romans, die von Jens Groß und Armin Petras stammt, dessen Neufassung von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ im Kleinen Haus zu einem regelrechten Renner wurde.
Schulz, der nach einem reichlichen halben Jahr mit Genugtuung feststellt, dass sein Konzept eines moderaten Wandels gut ankommt, will auch künftig in bunter, aber genau bedachter Mischung Klassiker und neueste Stücke auf die Bühne bringen, inszeniert von Theaterlegenden wie Wolfgang Engel und Klaus-Dieter Kirst bis zu ganz jungen Regisseuren.
Von „König Ödipus“, der antiken Tragödie des Sophokles, über Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“, Lessings „Minna von Barnhelm“ und Kleists „Käthchen von Heilbronn“, mit dem am 10. September im Schauspielhaus die neue Spielzeit beginnt, spannt sich der Bogen der klassischen Themen bis zu Büchners „Woyzeck“, Tschechows „Möwe“, Ibsens „Gespenstern“, Hauptmanns „Einsamen Menschen“ und, wenn man so will, der „Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennessee Williams. Zu den Novitäten, von denen man sich breite Resonanz erhofft, zählt die Uraufführung „Reckless. Steinernes Fleisch“ nach dem neuesten Buch der Bestsellerautorin Cornelia Funke – ein modernes Märchen für die ganze Familie, zu dem die Dresdner Band Polarkreis 18 eine Bühnenmusik produziert.
Nicht nur hier, sondern auch beim scheinbar Vertrauten sollte man sich auf ungewohnte Sichten und Deutungen einstimmen, was bisher mal sehr gut – wie bei „Romeo und Julia“ -, mal weniger funktionierte wie im Fall von „Peer Gynt“, der deshalb als eines von wenigen Stücken nicht ins Repertoire der neuen Spielzeit übernommen wird.
Zu einem wichtigen Standbein hat sich bereits im ersten Jahr die neue Bürgerbühne im Kleinen Haus entwickelt; auch sie ist mit fünf neuen Stücken bzw. Projekten am Premierenreigen beteiligt. So will der unter anderem von den Dresdner „Webern“ her bekannte Bürgerchor einen höchst anspruchsvollen Text von Elfriede Jelinek aufführen. Beim Schiller-Projekt „Diesen Kuss der ganzen Welt“ sollen Dresdner zu Wort kommen, die Freunde und Verwandte in anderen Ländern haben. T. Petzold
