11. Mai 2010
Albertinum beeindruckt mit „Arche für die Kunst“
Was im August 2002 als eine wahre Katastrophe begann, wendet sich nun zur neuen Chance für das alte Albertinum. Hochwasser bedrohte vor acht Jahren die unersetzlichen Schätze der Museen und binnen Stunden mussten einzigartige Gemälde und Skulpturen aus den Räumen im Untergeschoss evakuiert werden. Die unterirdischen Depots boten keinen ausreichenden Schutz für das wertvolle Kulturgut. Nach Sanierung und Umbau präsentiert sich das neue Albertinum ab 20. Juni mit Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart.
Die Initialzündung für die Komplettsanierung des Albertinums zu einem weltweit einzigartigen, hochwassersicheren Museumsgebäude gab drei Monate nach dem Hochwasser eine Auktion von mehr als 40 zeitgenössischen Künstlern aus deren Oeuvre. Der Erlös von über 3,4 Millionen Euro erlaubte zunächst einen Architekturwettbewerb, den das Berliner Büro Staab Architekten mit einem spektakulären Konzept gewann. Ihr architektonisches Meisterwerk bietet als raumhaltiges Dach für Depots und Restaurierungswerkstätten „eine Arche für die Kunst“. So gewinnt das Gebäude nicht nur einen lichtdurchfluteten Innenhof mit Platz für Cafè, Buchladen, Galeriekonzerte und Theateraufführungen, sondern auch einen zweiten Museumseingang. Die Besucher können das Albertinum von der Brühlschen Terrasse und vom Georg-Treu Platz betreten.
Die neuen Säle teilen sich die Galerie Neue Meister und die Skulpturensammlung. Die Bestände mit Malerei von Caspar David Friedrich bis Gerhard Richter bzw. Skulpturen von Rodin bis ins 21. Jahrhundert besitzen weltweit einen bedeutenden Ruf. Riesige gläserne Schaudepots eröffnen dem Besucher bisher unbekannte Einsichten in das Innere des Museums.
Innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen wird das neue Albertinum eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Während in den Ausstellungsräumen der Kunst der Moderne und Gegenwart eine große Bühne geboten wird, werden hinter den Kulissen des Museumsbetriebes die Gemälde alter und neuer Meister restauriert. Das neue Albertinum ist in seiner Gesamtheit auf Begegnungen zwischen Malerei und Skulptur, Romantik und Moderne, zwischen Ost und West, zwischen gestern, heute und morgen ausgerichtet.
Der Freistaat Sachsen investierte rund 51 Millionen Euro in das denkmalgeschützte Gebäude, das im 16. Jahrhundert als wichtigstes Renaissance-Bauwerk Dresdens errichtet wurde. Im Herbst 2004 begannen die Bauarbeiten, zwei Jahre danach der Einbau der von dem Berliner Architekten Volker Staab entworfenen „Arche“. Die 2700 Tonnen schwere Stahlkonstruktion in Form eines zweigeschossigen, 72 Meter langen und 24 Meter breiten Daches befindet sich in 17 Metern Höhe über der Vierflügelanlage. Aus dem bisher kaum nutzbaren Innenhof wurde ein 1600 Quadratmeter großes Foyer mit Tageslicht .
Die Ausstellungsfläche vergrößerte sich um 1200 auf 13 500 Quadratmeter. Neben den mit Oberlichtern und Parkett versehenen Räumen der Galerie und entstaubtem Mosaik- und Klingersaal für Skulpturen sind ein Raum für Gegenwartskunst und wechselnde Ausstellungen sowie zwei Schaudepots für die Skulpturen entstanden. R.
Ludwig Coulin (rechts), Niederlassungsleiter vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, mit dem sächsischen Finanzminister Georg Unland (Mitte) vor dem Schaudepot das neu erbaute Albertinum. Foto: Ruhnau
