26. Mai 2010
Komödie Dresden – zwischen Insolvenz und Zellteilung
Noch ist die Entscheidung über die künftigen Standorte von Operette und Theater Junge Generation nicht gefallen, schon gibt es erneut Verunsicherung und Spekulationen zur Zukunft eines Theaters. Der Komödie Dresden, seit 1996 im World Trade Center ansässig, wurde der Mietvertrag nicht verlängert, daraufhin hat sie Insolvenz angemeldet, vorsorglich, wie es hieß. Das Ende einer Ära, die so überraschend wie erfolgreich begann?
Ein Haus mit über 600 Plätzen fast täglich ordentlich auszulasten, bedeutete Zuschauerzahlen, die vor allem für das Staatsschauspiel eine Herausforderung darstellten – zum Vorteil für das Publikum. Boulevard mit ein wenig Anspruch für ein fachkundiges Publikum, mit guten, zum Teil von Film und Fernsehen bekannten Darstellern erwies sich als Erfolgsrezept Und an der Freiberger Straße konnte man unter anderem das Abendleuchten von Schauspielerlegenden wie Peter Herden und Herbert Köfer erleben. Dennoch hat es die Komödie, die stets ohne öffentliche Förderung auskommen musste, nie richtig in die schwarzen Zahlen geschafft. Ein offenes Geheimnis, mit dem man, die Sympathie des Publikums im Rücken, durchaus offensiv umgehen konnte. Doch die alten Stars verschwinden von der Bühne, neue sind nicht leicht aufzutreiben. Ohne Zugpferde jedoch bleiben die großen Erfolge aus.
Es ist ruhiger geworden um die Komödie, wenn nicht gerade die Hexe Baba Jaga alias Rainer König wieder einmal ihr Wesen treibt oder andere Lokalmatadoren wie Tom Pauls, Uwe Steimle oder Olaf Böhme gastieren.
Die Situation scheint im doppelten Sinn kritisch, wenn WTC-Manager Jürgen Rees um seine Mieteinnahmen fürchtet. Deshalb wurde hier weniger eine Pleite als vielmehr ein geschickter Coup inszeniert, mit dem der bisherige Betreiber Martin Woelffer aus dem Geschäft gedrängt werden soll.
Stefan Schepnitz heißt der neue Mann, der aus der Region stammt, u.a. als Gründer des Schauorchesters Ungelenk bekannt ist und im wesentlichen mit dem bisherigen Personal, aber verändertem Konzept die Komödie weiterführen will. Er hat einen Mietvertrag über zehn Jahre und, wie er wissen ließ, seit Anfang des Monats mit Jürgen Mai einen Intendanten, der das Haus bereits seit 2003 künstlerisch leitet.
Woelffer, der vor drei Jahren die Geschäfte seines Vaters Jürgen übernahm und damit auch Theater in Hamburg und Berlin betreibt, will sich jedoch nicht aus Dresden zurückziehen. Schon wird der kühne Gedanke kolportiert, mit dem ehemaligen Kino Metropolis habe er seine neue Spielstätte gefunden. Nach der Frage, mit welchen Regisseuren und Darstellern Woelffer dort arbeiten will, stellt sich allerdings auch die, wieviel Theater Dresden braucht oder verkraften kann. Noch einmal zusätzlich etwa 100 000 Zuschauer im Jahr zu mobilisieren, klingt utopisch, erwies sich aber schon einmal als machbar. Im Jahr 2003 hatte Gerd Schlesselmann die Komödie verlassen und behauptet sich seither gleich nebenan mit seinem Theater Wechselbad der Gefühle und einem Alternativprogramm von Sexual-Comedy bis Musical. Die Nischen für zugkräftiges Theater sind zahlreicher, als mancher denkt. Und Konkurrenz belebt das Geschäft.
Tomas Petzold
