01. Juni 2010
Der Sieg war für die Dresden Monarchs zum Greifen nah...
Es war nur ein einziger und dazu eigentlich noch ganz unerklärlicher Aussetzer in der Dresdner Defense, der den Monarchs und ihren Fans die Freude an diesem tollen Football-Spieltag trübte. Die laut Durchsage genau 5958 Zuschauer (!) im Rudolf-Harbig-Stadion mussten mit ansehen, wie in hoffnungsloser Feldposition ein ganz auf Gedeih und Verderben geworfener 80 Yard-Pass des Berliner Quarterbacks Kyle Callahan tatsächlich bei Danilo Gonzales ankam, der den Ball sogar unbedrängt fangen konnte, weil er gar nicht energisch verfolgt worden war.
So stand es plötzlich nur noch 23:21 und die Adler waren wieder im Spiel. Clever wie sie sind, reichte es für sie dann noch zum knappen 27:26-Erfolg.
Dabei sah es lange so aus, als hätten diesmal die Gastgeber das bessere Ende für sich. Sie waren schnell in Führung gegangen (Radko Zoller), konterten den schnellen Ausgleich der Gäste mit einen beachtlichen 47 Yard-Fieldgoal (Jan Hilgenfeld, der noch drei Mal aus etwa dieser Entfernung traf!), ließen sich nicht von einem weiteren Berliner Touchdown verunsichern, sondern schafften bis zur Halbzeit mit einem gut aufgelegten Quarterback Bryan Waggener sogar ein 20:14. Dazu beigetragen hatte Jared Dumm, der einen Pass des Berliner QB abfangen konnte, über das Feld bis an die Adler-Endzone lief und im nächsten Spielzug den Touchdown perfekt machte.
Als die Spieler längst schon in der Kabine waren, diskutierte Adler-Headcoach Shuan Fatah noch mit den Schiedsrichtern. So richtig wollte er es wohl nicht wahr haben, dass zu dem Zeitpunkt letztlich die Monarchs das Spiel bestimmten. Und dann ist eben der Schiri schuld …
Doch auch im dritten Viertel änderte sich das Bild nicht. Die Defense hatte den hochgelobten Berliner Angriff im Griff und der treffsichere Hilgenfeld verwandelte einen seiner langen Fieldgoal-Versuche. Es folgte dann aber, die Seiten waren zum letzten Mal gewechselt, die hier eingangs geschilderte Szene. Der Vorsprung war nun fast dahin. Und ein 3-Punkte-Treffer der Monarchs aus dem Feld war danach zu wenig, um sich noch mal abzusetzen. Ein zweiter Touchdown des Ex-Dresdners Talib Wise ließ tatsächlich den Favoriten noch triumphieren. Wie heißt’s doch: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“ – insbesondere dann nicht, wenn eine ordentliche Spieluhr fehlt. Da verrinnen beim Taktieren viel zu schnell die Sekunden ...
Von dem berechtigten Lob für ein mutiges Spiel können sich die Monarchs nichts kaufen. Aber der Trend geht wieder in die erhoffte Richtung. Beim Tabellenstand von 2:6 Punkten folgen zwei weitere Heimspiele: am 12. Juni gegen Essen und eine Woche darauf gegen die anderen Berliner, d.h. die Rebels. Vielleicht kommen ja dann in das marode Heinz-Steyer-Stadion neben dem „harten Kern“ der Football-Fans auch wieder ein paar von jenen Zuschauern, die trotz der Niederlage der Gastgeber in der modernsten Dresdner Spielstätte einen diesem Umfeld würdigen tollen GFL-Spieltag erlebt haben.
Hans-Georg Prause
