09. März 2010
Bohlenstube kann restauriert werden
Meißen. Ein Juwel sächsischer Baukunst in Meißen ist das Prälatenhaus auf den Roten Stufen 3. Im Jahre 1509 ließ es der Meißner Domherr Nicolaus Heynemann als Wohnhaus errichten. Das markante Gebäude mit seinen spätgotischen Backsteinstufengiebeln vereint in seinem Inneren Elemente der Gotik, Renaissance und des Barocks. Das Prälatenhaus ist ein einmaliges Zeugnis der Wohnkultur im frühen 16. Jahrhundert. Kostbare Schätze birgt es vor allem im Inneren. Die Innenräume sind großflächig in Freskotechnik mit Portraitdarstellungen, Spruchbändern in lateinischer Sprache, Heiligenbildern sowie floralen Motiven und Ornamenten bemalt. Diese Wandmalerei lag über Jahrhunderte unter Putz und wurden bei bauarchäologischen Untersuchungen des Gebäudes 1990 wiederentdeckt.
Ende des 19. Jahrhunderts gestaltete man das Prälatenhaus als Mietwohnungsbau um. Seit 1980 stand es leer und verfiel . Es drohte der Abriss. Doch dieser konnte Dank des großen Engagements der Mitglieder des Kuratoriums "Rettet Meißen – Jetzt" e.V. abgewendet werden. Es folgten eine Notsicherung des Gebäudes, das Freilegen der einmaligen Malereibefunde und 1994/1995 die Dachsanierung. "Im vergangenen Jahr zum 500-jährigen Bestehen des Prälatenhauses wollten wir mit allem fertig sein. Das haben wir nicht geschafft. Aber Qualität geht vor Termin. 2009 haben wir das Nebengebäude wieder errichtet und gestaltet. Jetzt läuft der Innenausbau im Hauptgebäude weiter. Ein Kernobjekt dabei ist die Restaurierung der spätgotischen Bohlenstube mit ihren kostbaren Wandmalereien im 2. Obergeschoss. Es ist die einzig erhaltene Malerei dieser Art nördlich der Alpen. Viele Notsicherungen daran haben Restauratoren schon vorgenommen. Doch das kann man nicht beliebig wiederholen, zumal die Malerei auch sehr empfindlich gegenüber Klimaschwankungen ist ", informierte Kuratoriumsvorsitzender Dr. Hannes Walter.
Und hier setzt nun die Hilfe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Meißen an. Stiftungsvorsitzender Claus Friedrich Holtmann überreichte kürzlich gemeinsam mit Stiftungsgeschäftsführer Friedrich-Wilhelm von Rauch und dem Meißner Sparkassenchef Rolf Schlagloth Dr. Hannes Walter den Förderbescheid zur Restaurierung der Bohlenstube im 2. Geschoss, die der Kuratoriumsvorsitzende mit großer Freude entgegennahm. "Die Einzigartigkeit des historischen Prälatenhauses und das nicht nachlassende Engagement vor Ort für seine Erhaltung haben Stiftung und Sparkasse überzeugt: Wir helfen gern", brachte Claus Friedrich Holtmann zum Ausdruck. "Für den 1. Bauabschnitt in der Bohlenstube, der die Sicherung der Decke und die restauratorischen Arbeiten an den Wandmalereien beinhaltet, sind rund 120 000 Euro veranschlagt", informierte Kuratoriumsmitglied Heinz Homberg.
Simone Giese
Der Vorstandsvorsitzende der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Claus Friedrich Holtmann, überreichte in der historischen Bohlenstube im Beisein von Landrat Arndt Steinbach und dem Meißner Sparkassenchef, Rolf Schlagloth, dem Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Hannes Walter den Förderbescheid. Fotos: Giese
