09. März 2010

Vom Orient verzaubern lassen

Vom Orient verzaubern lassen

Dresdner und Touristen aus aller Welt haben erneut Grund, sich aufzumachen ins Residenzschloss. Neben den beiden Ausstellungen des Grünen Gewölbes lockt mit der Eröffnung der "Türckischen Cammer" am vergangenen Wochenende (als erster Komplex aus der Rüstkammer) ein weiteres Glanzlicht, das einem fast die Sprache verschlägt.

Lustwandelnd unterm riesigen Staatszelt - einst versammelten sich darunter Sultane und prunksüchtige Kurfürsten - fühlt sich der Besucher geradezu in die Atmosphäre von Tausend und einer Nacht versetzt: in der Tat märchenhaft!

Auf rund 750 Quadratmetern, verteilt auf drei Räume, werden etwa 600 Exponate orientalischer und orientalisierender Kunst präsentiert, die über vier Jahrhunderte sächsischer Sammlungsgeschichte umfassen. Dabei überwiegen kostbare Geschenke und Ankäufe, Beutestücke sind in der Minderzahl. Doch stehen gerade diese dafür, dass Orient eben nicht nur Glanz bedeutet, sondern auch blutige Schlachten, in denen unter Schwert und Säbel unzählige Köpfe rollten (die Osmanen vor Wien 1683 als abschreckendes Beispiel!).

Nur beschränkt war bislang ein kleiner Teil der Rüstkammer im Zwinger ausgestellt. Oberkonservator Holger Schuckelt erarbeitete in den vergangenen zwanzig Jahren und in Zusammenarbeit mit dem Architekten Peter Kulka ein völlig neues Ausstellungskonzept, das an Attraktivität weltweit nicht zu überbieten sein dürfte.

Da reiten lebensgroße Araberhengste förmlich auf den Besuchter zu (Holzbildhauer Walter Hilpert schöpfte mit ihnen für das glänzende Reitzeug nahezu eigenständige nicht minder kostenintensive Kunstwerke). In technisch hochkomplizierten, doppelt entspiegelten Vitrinen glänzen Waffen, Kaftane, Schabracken, Pfeile und Köcher.

5,7 Millionen Euro investierte der Freistaat Sachsen in die neue Daueraustellung; weitere Summen flossen von Sponsoren.

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Zur Vertiefung des Geschauten tragen zwei im Grunde unverzichtbare Kataloge bei: in der Reihe "Meisterwerke" aus dem Deutschen Kunstverlag ein Band, der sich auf ausgewählte Stücke der Sammlung konzentriert (29,90 Euro), und aus dem heimischen Sandsteinverlag ein stattlicher, kostbar ausgestatteter Prachtband (39,90 Euro), beide von den Staatlichen Kunstsammlungen herausgegeben und aus der Feder von Holger Schuckelt stammend.

Die Ausstellung ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet (Dienstag geschlossen).

B.W.

 

Kunstvoll gestaltete und reich geschmückte lebensgroße Araberhengstplastiken, gestaltet von Holzbildhauer Walter Hilpert in der "Türckischen Cammer". Fotos: Petzold

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