27. April 2010

Eine Operette allein macht noch kein Kulturkraftwerk

Eine Operette allein macht noch kein Kulturkraftwerk

Eine Operette allein macht noch kein Kulturkraftwerk

Im Theater Junge Generation haben tatsächlich seit 1949 Generationen von Dresdner Schulkindern, in der Anfangszeit oftmals nach einer langen Reise mit der Straßenbahn durch die fast völlig zerstörte Innenstadt, die erste Bekanntschaft mit den Welt bedeutenden Brettern gemacht. Und die Erfahrung zeigt, dass viele von ihnen dem Theater und insbesondere diesem Haus am Stadtrand die Treue bewahrt haben. Nicht nur wegen der Erinnerungen, auch wegen der immerwährenden Frische und des besonderen Charmes, den die Spielstätte und ihr Ensemble ausstrahlten. Dann hatte man sich endlich beiderseits darauf eingestellt, Abschied von dem längst lieb – und zuletzt noch deutlich attraktiver gewordenen – Ort zu nehmen, in der Hoffnung; im Stadtzentrum ideale Bedingungen, auch für das Puppentheater zu finden. Eine Zukunft könne sie sich jedoch auch sehr gut in der entsprechend hergerichteten alten Spielstätte vorstellen, sagte vor zwei Jahren die eben neu angetretene Intendantin Felicitas Loewe.

Nun sieht wieder einmal fast so aus, als würden weitere Generationen von Dresdner Kindern an der Meißner Landstraße ihr erstes Theatererlebnis finden. Man sieht daraus, dass unter guten Provisorien Zeit ist für das Reifen weitsichtiger Entscheidungen.

Im Fall der Staatsoperette in Leuben, zunächst ein ganz ähnliches Nachkriegs-Interim wie das TJG, sind allerdings schon zu viele Jahre verstrichen, seit jedermann klar wurde, dass nicht nur die Randlage, sondern auch die Bedingungen im Haus dem Ensemble keine Perspektive bieten.

Nach der langen Standortsuche mit der womöglich idealen, aber mangels Investor geplatzten Lösung am Wiener Platz nun zwischen den Begriffen Kulturkraftwerk und Staatsoperette ein Gleichheitszeichen zu setzen, ist schon als Werbeslogan eine gar nicht operettenhafte Posse. Vor allem aber schöpft es die auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks gegebenen Möglichkeiten bei weitem nicht aus.

Auch die Verbindung mit dem TJG war insofern ein Kompromiss, der einem – für Investoren vielleicht tatsächlich interessanten - weiteren Ausbau des neuen Standorts (etwa durch ein privates Musicaltheater) eher im Wege gestanden hätte. Aber gerade in dieser Richtung sollte man Ideen entwickeln und Partner suchen, statt längst zu Recht ad acta gelegte Vorschläge wie eine Verlagerung der Landesbühnen (die in der Landeshauptstadt nichts zu suchen und nur ihre Identität zu verlieren haben) oder ein Unterschlüpfen der Operette im Schauspielhaus erneut hervorzukramen.

Wer so etwas tut, hat entweder wenig Ahnung von der Sache oder provoziert, dass sich die Probleme auf die schlechtestmögliche Weise von selber lösen.

Wenn verantwortliche Politiker für eine erneute Kehrtwende, die im Grunde alle bisherigen Beschlüsse in Frage stellt, die aktuelle Wirtschaftskrise (warum nicht eine Aschewolke?) verantwortlich machen, kommentiert sich das im Grunde selbst. Und so glauben nur noch Optimisten daran, sich die Stadt einmal souverän und nicht nur unter äußer(st)en Zwängen zu einer zukunftsweisenden kulturpolitischen Entscheidung durchringt.

Tomas Petzold

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