15. Juni 2010
Das neue Brückenmännchen und der graue Fußball-Alltag
Natürlich bin ich derzeit auch im Fußballfieber. Während mich allerdings unsere Mannschaft bei der WM euphorisch stimmt, kommt das krank machte Fieber aus den Reihen meiner geliebten Dynamo-Elf. Nachdem die Spieler den Klassenerhalt noch geschafft hatten und auch die Lizenzfrage durch den Verein gelöst schien, praktizierten einige der Funktionäre den absoluten Abstieg. Widersprüchliche Aussagen und Dementi waren an der Tagesordnung. Eine unvergleichliche Rücktrittserie hielt Presse und Fans in Atem. Selbst überregionale Medien hatten (nach Waldschlösschenbrücke und OB-Nacktbild) mal wieder ein Dresden-Thema.
Die Führungskrise entwickelte sich zu einer Farce. "Schwindel-Gemeinschaft Dynamo Dresden" wurde bereits getitelt. Was bei den Schwarz-Gelben ablief, war kaum noch nachvollziehbar. Mittendrin der Aufsichtsrat, der offensichtlich nicht mit offenen Karten spielte. Zunächst wurde der Rücktritt von Geschäftsführer Stefan Bohne bekannt gegeben. Dieser war allerdings einen Monat, bevor dessen Vertrag endete, mehr ein Rauswurf. Es sickerte durch, dass das Gremium plante, ihn abzuservieren, und den früheren KSC-Manager Rolf Dohmen ab 1. Juli einzusetzen. Bohne selbst schloss einen Rücktritt vom Rücktritt nicht aus.
Der Aufsichtsrat verstrickte sich in Widersprüche. Er teilte u.a. mit, dass man bereits einen neuen Geschäftsführer habe – Rolf Dohmen, Ex-Manager beim Karlsruher SC. Dazu bedurfte es allerdings der Zustimmung der Stadt, die aufgrund einer Bürgschaft ein Mitspracherecht hat. Die Oberbürgermeisterin Helma Orosz schaltete sich ein: "Es ist für uns nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage die Entscheidungen im Aufsichtsrat zustande gekommen sind und welche verbreiteten Informationen wahr sind und welche nicht. Auch die Art und Weise, wie die Vereinsvertreter versucht haben, Druck auf die Stadt und mich persönlich auszuüben, ist völlig inakzeptabel." Anschließend trat der Aufsichtsratsvorsitzende Holm Große nach nur neun Tagen im Amt zurück. Er brach nach einer Pressekonferenz in Tränen aus. Die Medien kommentierten diesen Auftritt als Schwäche.
Vergangenen Freitag gab es nun eine Krisensitzung, in der um 17.50 Uhr verkündet wurde, dass der gesamte Aufsichtsrat zurück tritt. Es war der unumgängliche Schritt, Dynamo wieder in ruhige Gewässer steuern zu können.
Bis zum heutigen Mittwoch muss das Präsidium einen Not-Aufsichtsrat aus sechs Personen bestimmen. Erst im November kann dann in einer geplanten Mitgliederversammlung ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden. Hoffentlich hat das Grauen nun ein Ende, und die Rücktritte waren ein Schritt nach vorne.
