29. Juni 2010
Das neue Brückenmännchen: KesselsdorferStraße, die 13.
Waren Sie schon mal zur Hauptverkehrszeit an der Kreuzung von Kesselsdorfer- und Tharandter Straße? Welch ein Chaos! Fahrgäste der Verkehrsbetriebe beim Slalom durch Autoschlangen und immer wieder gefährliche Situationen. Hier steigen täglich mehr als 23 000 Menschen um; in fünf Jahren wurden bei Unfällen 135 verletzt, zum Teil sogar tödlich.„Wir brauchen eine sichere Umsteigemöglichkeit mit einer Zentralhaltestelle“, so hieß es bereits vor 16 Jahren. Die Planung begann. Ganze 12 Varianten wurden untersucht und zu Papier gebracht. Satte 150 000 Euro mussten aus der Stadtkasse ausgegeben werden. Zwei konträre Varianten schälten sich heraus.
Die eine, von Verkehrsplanern der TU Dresden unterstützt, will einen 150 Meter langen Bereich an der Kesselsdorfer Straße bis zur Gröbelstraße für Autos sperren und als Fußgängerboulevard gestalten. Der Autoverkehr soll über Wernerstraße und Reisewitzer Straße rollen. Die CDU stoppte mit der Lobby der Händler diese Pläne 2008 im Stadtrat und startete neue Untersuchungen für Autospuren. Dass das die Sicherheit nicht verbessert, kann man sich ausrechnen, ohne Verkehrsplanung studiert zu haben.
Seit Herbst 2008 passierte gar nichts. Nach einem Stadtratsbeschluss musste jetzt die Verwaltung eine Bürgerversammlung einberufen. 150 Anwohner und Interessenvertreter waren in den Rathausfestsaal gekommen. Und Bürgermeister Jörn Marx präsentierte ihnen eine 13. Variante. Straßenbahn und Bus sollen direkt an den Fußwegen halten und die Autos und Radfahrer links an ihnen vorbeifahren. Seine Ausführungen wurden mit Gelächter honoriert. „Sinnlos!“, konterte Margit Haase, verkehrspolitische Grünen-Sprecherin. Zweimal müssten Gleise gefährlich gekreuzt werden; auf 600 Metern würde es 16 Ampeln geben.
Nach drei Stunden hitziger Debatten mit Begründungen von Für und Wider längst bekannter Argumente, schien alles wieder am Nullpunkt zu stehen. Wir geben der Welt wieder einmal Anlass, die Dresdner Lokalpolitiker mit denen aus Schilda zu vergleichen. Der Satz von Henry Ford I. wurde bestätigt: „Die meisten Menschen wenden mehr Zeit und Kraft daran, um die Probleme herumzureden, als sie anzupacken.“


