31. August 2010
American Football: Scorpions sahen keinen Stich
Als die Offense der Monarchs das erste Mal aufs Spielfeld durfte, stand es bereits 7:7, denn die Dresdner Defense hatte den Stuttgartern bei deren Drive den Ball abgejagt und durch Jared Dumm zum Touchdown getragen. Allerdings belohnten sich die Gäste selbst für einen starken Kickoff-Return und einen clever ausgespielter 4. Versuch mit dem schnellen Ausgleich. Dass die Monarchs eine knappe Führung von 10:7 mit in die Kabine nehmen konnten, verdankten sie einem Fieldgoal vom Specialteam um Holger Hempel.
Und hätten sich die Scorpions nicht durch einige Fumble selbst um die fleißig erlaufenen Yards gebracht, wären die Playoffs für die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt in weite Ferne gerückt und die Relegation gegen Düsseldorf dagegen zum Greifen nah.
Zu viele Unsicherheiten prägten das Spiel der Offense um Quarterback Jake Christensen, der als junger Mann eben nicht an jedem Gameday so souverän agieren kann, wie in den Punktspielen zuvor, als er nah dran war, als Newcomer die GFL-Ratings zu pulverisieren. Seine Nervosität war leider auch ansteckend.
Nur gut, dass die Defense nicht infiziert wurde und dass es so was wie eine „Selbstheilung“ gibt. Denn nachdem Christensen gerade noch einen Angriffsvorteil nach dem Wiederanpfiff mit einem überhasteten Pass auf einen gedachten, aber gut gedeckten Ballfänger aus der Hand gegeben hatte, erlebten die rund 1500 Zuschauer das Football-Wunder.
Erst holte die (zuletzt oft gescholtene) Defense schnell den Ball in die Reihen der Monarchs zurück und plötzlich klappte es im Angriff: Christensen spielt auf Dominick Goodman, der sich unaufhaltsam durch die Abwehr in die Endzone drängt. Dann patzen die Gäste beim Punt. Christensens nimmt dankend an und findet Radko Zoller als Anspieler für einen weiteren Touchdown.
Beim Stand von 24:7 versuchten die Scorpions nun alles und manchmal zu viel. Nach einem weiteren Monarchs-Touchdown, den der sich wieder selbst vertrauende Quarterback mit starker Unterstützung seiner Offense Line erlief, konnten sie zwar auf 31:14 verkürzen, doch die Punkte kosteten sie viel an Spielzeit. Als ihnen dann noch Goodman sehr spektakulär den Ball weg fing, war es klar: Diesen Scorpions ist der Stachel gezogen.
Zweimal haben sie gegen die Monarchs deutlich verloren, sind aber trotzdem in den Playoffs. Dort will Dresden erst noch hin. Dafür muss in Essen gewonnen werden. Die Fallhöhe ist dabei beträchtlich; sie reicht von Platz vier oder gar drei bis hinab in den finsteren Keller der Relegation. Aber am Wochenende haben die Cardinals, der finale Kontrahent, verloren und die Berlin Rebels auch. Die Rote Laterne sind die Monarchs also los. Eine Entwarnung ist das aber nicht.
Hans-Georg Prause
